Vereins Geschichte

1889 Aufschwung

Die Anfänge der Turngemeinde Friesen Klafeld-Geisweid

Männer in tadellos weißen Turnanzügen und mit Kaiser-Wilhelm-Bärten gruppieren sich zu Figuren, schwenken Fahnen. – Turnfeste und Schauturnen gehörten damals zu den großen Spektakeln. In der Gründerzeit der Turnvereine gab es kein Fernsehen, kein Internet. Wenn die Turner-Riegen öffentlich auftraten war das etwas ganz Besonderes.

Wenn die Friesen in diesem Jahr ihr 125-jähriges Jubiläum feiern, ist das auch etwas ganz Besonderes. Der Termin ist ein Stück weit willkürlich festgelegt. Wie der Vereinsname, Turngemeinde Friesen Klafeld-Geisweid andeutet, geht der Verein aus dem Zusammenschluss des TV Geisweid und dem TV Clafeld hervor. Das geschah jedoch erst 1937. Fast 50 Jahre lang existierten beide Vereine nebeneinander und waren Konkurrenten.

1889 gründete sich der TV Geisweid. Diese Jahreszahl gilt als Geburtsjahr der heutigen TG Friesen. Seit dieser Zeit ist Turnen im Verein bis heute fest im gesellschaftlichen Leben unseres Stadtteils verankert. Ein Jahr später – 1890 – ging der TV Clafeld an den Start. Die beiden Vereine sind die Wurzeln und Vorläufer der heutigen Turngemeinde.

Den TV Clafeld hatte es 1882 schon einmal gegeben, doch er hatte sich nur 5 Jahre später wieder aufgelöst. Nach einem Bericht von Gustav Busch soll es ein Monteur Namens Schmallenbach aus Siegburg gewesen sein, der damals das Turnen bei uns populär machte.

Volkstümliche Leibesübungen galten nach den Ideen von Friedrich Ludwig Jahn und Karl Friedrich Friesen als Mittel der Menschenbildung. „Die Turnkunst“ , so Turnvater Jahn, „soll die verloren gegangene Gleichmäßigkeit der menschlichen Bildung wiederherstellen, der bloß einseitigen Vergeistigung die wahre Leiblichkeit zuordnen, der Überfeinerung in der wieder gewonnenen Männlichkeit das notwendige Gegengewicht geben und im jugendlichen Zusammenleben den ganzen Menschen umfassen und ergreifen“.

Turner Schmallenbach aus Siegburg sah es praktischer, hielt keine großen Reden. Auf der Arbeit in der Frühstückspause warb er bei jungen Männern für das Turnen. Und hatte Erfolg. Denn trotz harter Arbeit in Hütten, Bergwerken, im Hauberg und auf den Feldern hatten die Menschen gegen Ende des 19. Jahrhunderts zum ersten Mal so etwas wie Freizeit. Und Wandergeselle Schmallenbach fand es keine gute Idee, wenn Jugendliche sonntags in ihrer freien Zeit im Wirtshaus saßen und das sauer verdiente Geld vertranken.

Als Treffpunkte blieben die rund 20 Wirtshäuser sowie ausrangierte Pferdeställe in Klafeld und Geisweid enorm wichtig. Unter ihrem Motto „Frisch, fromm, fröhlich, frei“ trafen sich die ersten Turner zu Übungen an Geräten und Gewichten. Für die Wirte war das kein gutes Geschäft: „Än Dösch voll Sänger es mr lewer als de ganze Wirtsstoaw voll Turner!“, soll einer gesagt haben. („Ein Tisch voll Sänger ist mir lieber als die ganze Wirtsstube voll Turner.“)

Turnvereine waren Orte der patriotischen Begeisterung und der Erziehung zu Liebe und Treue für Kaiser und Reich. Aus Turnern sollten stramme Soldaten werden. Zum Geburtstag des Kaisers wurden Schauturnen zu Ehren seiner Majestät veranstaltet.

In ihren Turnstunden blieben die Männer die ersten Jahre ganz unter sich. Erst nach 1910, berichtet Turnerin Hilde Simon, kam man allmählich auf die Idee, auch für Mädchen turnerische Angebote zu machen. Reigen hießen die Tanz-Vorführungen mit Handgeräten. Zuerst gab es weder Turnanzüge noch Turnschuhe. Alle Vorführungen wurden in Kleidern und festen Schuhen gezeigt. Regelmäßige Turnstunden gab es nicht – nur vor Festen übten die Mädchen.

Der große Kraftakt kam mit dem Bau der heutigen Friesenhalle 1924 – 1927. Die Wirtshaussäle waren für steigende Mitgliederzahlen zu klein und für Übungen am Reck einfach zu niedrig! Eine eigene Turnhalle war die Lösung und damit ging für die Turner des TV Klafeld ein Traum in Erfüllung.

30.000 Schlackensteine, gestiftet von der Bremerhütte, und ungezählte Arbeitsstunden Eigenleistung waren nötig, um die heutige Friesenhalle fertig zu stellen. Die Baukasse, berichtet Otto Gellbach, war immer leer. Die damalige Vereinsführung verbürgte sich bei der Sparkasse, stellte sogar eigene Häuser als Sicherheiten zur Verfügung! Viele Firmen unterstützen den Bau mit einer Reichsmark pro Mitarbeiter.

Noch heute ist die Friesenhalle ein Zeugnis dafür, wie stark die Ideen der Turner in den Menschen damals gewirkt haben. Sie ist bis heute der Mittelpunkt des Vereinslebens und hat im Laufe der Vereinsgeschichte etliche Talente hervorgebracht.

Gerrit Saßmann

 

Hofbachstadion

1973 Hofbachstadion

Erinnerungen an Ereignisse um das Hofbachstadion


1. Planung: Durch die guten Kontakte unseres damaligen Vereinsvorstandes zur Stadt Hüttental wurde die TG Friesen sehr frühzeitig in die Planung einbezogen und mit den Herren Thomas und Schneider vom Bauamt entstand eine sehr gute Zusammenarbeit.

Ich hatte die Möglichkeit sowohl die positiven als auch negativen Dinge, die ich in 4 Jahren in anderen Stadien gesehen hatte an die Herren Schneider und Thomas weiterzugeben. So waren bereits in der Planung Lehrrohre für eine spätere Nachrüstung für Elektrische Zeitmessung vorgesehen.

In dieser Planungsphase musste die Entscheidung fallen ob es eine Volltartan, Sandwichbauweise oder eine wasserdurchlässige Kunststoffbahn werden sollte. Diese Entscheidung hatte Auswirkung auf die Kosten und auf die Untergrundbauweise. Um den Unterschied der verschiedenen Bauarten zu beurteilen, hatte das Bauamt 1973 eine Fahrt mit den „Berleburger Schaumstoffwerken“ zum Olympiazentrum München organisiert, dort hatten die Berleburger im Trainingszentrum eine wasserdurchlässige Laufbahn mit verschweißten Bahnen verlegt.

Im Olympiastadion selbst gab es zum Vergleich eine Volltartanbahn vom 3m zu begutachten. Natürlich war diese Fahrt mit einer Besichtung des Olympiageländes für die Teilnehmer K. Thomas , B. Schneider, (Bauamt) und G. Bäumner (Friesen) so kurz nach den Olympischen Spielen auch ein besonderes Ereignis. Eine weitere Besichtigung erfolgte 1973 in Zürich im unter Leichtathleten sehr bekannten „Letziggrund“ (bekanntes Abendsportfest).

Nach sorgfältiger Abwägung der Vor und Nachteile der verschiedenen Möglichkeiten und Berücksichtigung der Kosten hatte sich die Stadt für die Sandwichbauweise entschieden. Leider gab es während der Bauphase viel Regen so dass Feuchtigkeit zwischen den beiden Lagen der Laufbahn eindrang, was später zur Blasenbildung führte.

2. Feierliche Eröffnung des Hofbachstadion am 15.9.1974 vor 2500 Zuschauern.

Vorausgegangen war die Gründung der LAG Hüttental am 5.12.1973 aus den Stammvereinen: TG Friesen, TUS AdH Weidenau und TVL Langenholdinghausen. In der Zeit zwischen Gründung LAG bis zur Stadioneröffnung haben wir in der LAG sehr stark um Kampfrichter geworben. Bei der Planung zum ersten Nationalen Leichtathletik-Sportfest im Siegerland kamen uns die Wettkampferfahrungen der „Friesen“, die wir zwischen 1969 und 1973 gesammelt hatten, zugute.

Mit Hilfe von Paul Schmidt (Bundestrainer Lauf) Karl-Hermann Tofaute (LAG- Trainer mit besten Beziehungen zum TV Wattenscheid) konnten ich sehr gute Athleten(innen) verpflichten. Als meine persönliche Überraschung, schaltete sich auch unser damaliger Oberbürgermeister Hans-Georg Vitt ein.

H. G. Vitt gab mir in einem Telefongespräch die direkte Durchwahl des OB von Leverkusen und sagte „Bestell viele Grüße und sage dem OB von Leverkusen welche Bayer-Athleten ihr noch gerne am Start hättet“. So hatten wir dann die auch Unterstützung der Stadt Leverkusen ohne zusätzliche Kosten.

Durch geschickte Auswahl der Wettkämpfe (z. B. 100m Hürden Frauen) hatten wir dann auch so kurz nach der Europameisterschaft in Rom (1.9-8.9.) mit dem EM dritten über 100m Klaus Dieter Bieler, Klaus Ehl (100m) und Michael Karst 3. über 3000m Hindernis, Gisela Klein 800m als achte bei der EM sowie Heide-Lore Bretz (5-Kampf) und Karin Wagner (Hochsprung) weitere Spitzensportler am Start.

Weiter hatten wir DLV Förderungsläufe über 1000 und 3000m Männer im Wettkampfprogramm. Für das leibliche Wohl der Wettkämpfer und Zuschauer sorgten wir durch Verkauf von Jogurt und anderen Milchprodukten, die uns vom Milchhof Westfalen Süd gespendet wurden.

Durch die gute Arbeit unserer eigenen Kampfrichter unter Leitung von Helmut Stein (AdH) konnten wir den Zeitplan exakt einhalten, was uns Lob auch in der Fachzeitung „Leichtathletik“ einbrachte. Zum Ablauf der Veranstaltung gab es in einer Zeitung die Schlagzeile Sonne, Stars und Top-Service“.

Vom Bundestrainer „Nachwuchs Langstrecke“ der leider nicht selbst im Stadion sein konnte erhielten wir ein Dankschreiben für die gute Betreuung seiner Athleten und Ausrichtung der DLV-Förderungsläufe. Wir hatten uns auf Anhieb einen guten Namen in Fachkreisen erworben, so das auch in den folgenden Jahren immer wieder Spitzenathleten im Hofbachstadion am Start waren.

Stellvertretend zum Beispiel die Hochspringer: Walter Boller, Bernd Mühle, Thomas Zacharias, Günter Zimmer (späterer Bundestrainer).

Bei den Frauen:Ulrike Meyfahrt (1976 als amtierende Olympiasiegerin letzter Wettkampf vor der Olympiade) Brigitte Holzapfel (1975 Junioren Europameisterin 5-Kampf und Olymp. 11. Hochspr. 1976 mit 1,87) Paul-Heinz Wellmann Hans Jürgen Orthmann (genannt Sehne) und viele andere Spitzenathleten. Es würde zu weit führen alle hier zu nennen, ich kann an dieser Stelle nur sagen „Es war eine schöne Zeit mit tollen Erlebnissen“

3. Vorläufiges „Aus“ durch Gerichtsurteil vom OLG Hamm vom 28.8.80.

Kampf um Wettkampfmöglichkeiten durch Entwicklung einer Startpistole mit Schalldämpfer“ unter Einschaltung bzw. Beratung durch namhafte Waffenhersteller fand ich mit der Firma Weihrauch in Mellrichstadt einen Sportwaffenhersteller der bereit war, mit uns ernsthafte Gespräche über die Entwicklung eines Schalldämpfers für Startpistolen zu führen.

Mit dem Leiter des Sport und Bäderamtes Karl Krämer fuhren Günter Otto und ich zum Gespräch und Verhandlung zu Weihrauch nach Mellrichstadt. Nach ernsthafter Diskussion mit H. Weihrauch und seinem Waffenmeister war die Firma bereit in Versuche einzusteigen. Nun folgten Schreiben zwischen der LAG. Firma Weihrauch der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt dem Innenministerium sowie einigen Behördengänge bis wir im Sommer 1981 2 zugelassene Schalldämpfer für unsere Startpistolen bekamen und die Saison 1982 planen konnten.

Nun konnten wir wieder dringend benötigte Wettkämpfe im Hofbachstadion durchführen da wir mit den Einnahmen aus Startgelder u.s.w. unsere Jugendarbeit teilweise finanzierten.In der Fachzeitung „Leichtathletik“ erschien nachfolgende Notiz.

Mit sportlichen Grüßen

Gerhard Bäumner

1987 Freitagsturner

Die Freitagsturner

Wie schon in der Festschrift zu unserem 100jährigen erwähnt, gibt der Übungsabend bei den Senioren den Abteilungsnamen vor. Der Freitag stimmt noch, nur mit dem Turnen ist es nicht mehr so weit her.

Wir sind mittlerweile eine Senioren-Übungsgruppe mit den Schwerpunkten „Gymnastik, Ballspiele (Fuß-und Volleyball), sowie Geselligkeit“.

Unser Altersdurchschnitt liegt nunmehr bei über 70 Jahren, wobei aus der einst stolzen Truppe von über 40 Mitgliedern, nur noch 16 Aktive und 2 Passive, übrig geblieben sind.

Trotzdem wird der Übungsabend im Schnitt von 10 bis 12 Teilnehmern besucht.

Darüber hinaus haben wir vor 2 Jahren einen jungen Mann als Nachwuchs für unser Team gewinnen können. Neben unserem Übungsabend sind Einige noch anderweitig sportlich tätig, als Radfahrer, Läufer, Wanderer oder Schwimmer. 

Des Weiteren fahren wir alle 2 Jahre in die Berge. Seit 1981 haben wir somit 16 Fahrten unternommen. Bevorzugtes Ziel waren die Dolomiten, aber auch die deutsche Alpenlandschaft haben wir erwandert.

 Bis 1992 waren es nur die Freitagsturner, später kamen, um den Bus zu füllen, die Gastwanderer hinzu. In diesem Jahr startet die 17. Fahrt, aber nur mit den Freitagsturnern, in den Bayrischen Wald, nach Bodenmais.

Gemeinsam mit meinen Stellvertretern :“ Roland Pietsch, Wolfgang Neugeboren und Dieter Stracke, gestalten wir seit über 30 Jahren die Übungsabende. Wir hoffen, dass wir dieses noch einige Jahre bei guter Gesundheit tun können.

Jürgen Röth